Storytelling im Wettbewerb um Aufmerksamkeit

 

In der heutigen Generation ist der Medienkonsum häufig nicht mehr selbstmotiviert: Facebook, Twitter & Co. sind Transport für alle möglichen Inhalte. Man bewegt sich dort meist aus mehr privaten Gründen (sehen, was die Freunde gerade so machen). Über Interesse weckende Medieninhalte stolpert man mehr oder weniger zufällig nicht aus einem gezielten Suchen heraus. Hinter dem Zufall stecken ausgeklügelte Algorithmen, gefüttert mit zig Informationen über das Verhalten jedes einzelnen Nutzers. Es ist ein Algorithmus, der darüber bestimmt, was überhaupt eine Chance bekommt, Aufmerksamkeit zu erlangen. Eine Vielzahl von Texten richtet sich zudem an globale Leser (Sprache als einziges Zugangskriterium). Der Eigenverleger agiert also auch auf einem globalen Markt: Länder haben Grenzen, Geschichten nicht. Content ist überall: viel mehr Inhalte sind viel leichter erreichbar als früher. Viel mehr Menschen machen Content, d.h. der Wettbewerb um Aufmerksamkeit wird immer härter.

Denkstudio für strategisches Wissensmanagement zur Analyse mittelstandsorientierter Businessoptionen auf der Basis von Personalbilanzen und Standortbilanzen,

Jörg Becker Friedrichsdorf

Manchmal braucht man eine Geschichte, um Zusammenhänge plastisch zu beschreiben. Erzählte Sachverhalte sind leichter verstehbar.

Eigenverleger, die mehrere (vielleicht sogar viele) Bücher erstellen (wollen), dürfen Entwicklungen nicht aus den Augen verlieren, was sich beim Kauf von Inhalten tut. Alternativen zum Inhalteverschenken rücken stärker in den Vordergrund: der Druck von im Printgeschäft wegbrechenden Umsätzen ist einfach zu groß. Zwar werden ständig neue Ideen auf den Markt gespült, um wegbrechende Printerlöse aufzufangen. Den Stein des Weisen aber scheint noch niemand gefunden zu haben. 

Jeder neue junge Text hat Eltern als Urheber in der Vergangenheit. Künstlichen Intelligenz (KI) bewirkt weltweit einen Umbau der Gesellschaften. Und vielleicht sogar ähnlich radikal wie vor Jahrtausenden durch die Erfindung der Schrift. Frage: Braucht man überhaupt noch Menschen, um Literatur, Bilder oder Musik zu schaffen? Was kann ein Künstler, was die Maschine nicht kann oder zumindest einmal können wird? 

Eigenverlegern reicht es nicht mehr, eine reine Plattform oder ein Vehikel für fremde Inhalte zu sein. Sie wollen eigene und exklusive Inhalte liefern, die Substanz haben. Es geht darum, Leser und Nutzer an sich zu binden, indem ihnen etwas geboten wird, das es sonst nirgendwo gibt. Inhalte als Monopol: Für Eigenverleger könnte sich hier eine Marktlücke auftun. Sie müssen eine Konkurrenz durch Netzwerke eher weniger befürchten.