Strategiemonitoring - Die Pyramide als Entscheidungsfilter

In Organisationen verläuft die Informationspyramide oft parallel zur Entscheidungspyramide: 

  • unten: operative Ebene (Beobachtung, Erfahrung, Detailwissen)
  • mittig: Verdichtung, Interpretation
  • oben: Entscheidung auf Basis weniger Kennzahlen 

Das Problem:
Mit jeder Stufe wird Information nicht nur verdichtet, sondern auch gefiltert, bewertet und manchmal politisch „geglättet“. 

 

Früherkennung vs. Entscheidungsfähigkeit 

Unten entstehen oft die ersten Hinweise auf Risiken: 

  • ein Mitarbeiter bemerkt Unregelmäßigkeiten
  • ein Kunde verhält sich plötzlich anders
  • ein Prozess „fühlt sich falsch an“ 

Aber: 

  • diese Signale sind unsicher und schwer beweisbar
  • sie haben geringes Gewicht im Entscheidungssystem 

Oben dagegen: 

  • werden Entscheidungen erst getroffen, wenn klare Kennzahlen vorliegen
  • das führt zu einer systematischen Verzögerung 

Entscheider arbeiten mit vereinfachten, stark reduzierten Informationen – nicht mit der ganzen Realität. 

 

Das eigentliche Risiko: „organisierte Blindheit“ 

In vielen Organisationen entsteht ein paradoxes Muster: 

  • unten weiß man etwas – aber darf/es wird nicht gehört
  • oben entscheidet man – aber sieht zu wenig 

Das ist eine Form von struktureller Verzerrung, verwandt mit dem Principal-Agent Problem: 

  • Informationsasymmetrie zwischen Ebenen
  • unterschiedliche Interessen (Karriere, Risikoaversion, Image) 

Zusätzlich wirkt oft: 

  • „bad news don’t travel upward“
  • Anpassungsdruck („Das passt nicht zur offiziellen Lage“) 

Typischer Verlauf einer Fehlentscheidung

 

  1. Frühe Signale unten (werden ignoriert oder relativiert)
  2. mittlere Ebene glättet („noch kein Trend“)
  3. oben stabile Kennzahlen → kein Handlungsdruck
  4. plötzliche Eskalation → „unerwartete Krise“ 

Im Nachhinein heißt es dann oft:
„Die Anzeichen waren eigentlich da.“
 

Denkstudio für strategisches Wissensmanagement zur Analyse mittelstandsorientierter Businessoptionen auf der Basis von Personalbilanzen und Standortbilanzen,

Jörg Becker Friedrichsdorf

J. Becker Denkstudio