Aus dem Anlass der Lufthansafeier in turbulenten Zeiten erzähle ich Geschichten aus dem Leben eines Flugpioniers von damals:
Uralt ist die Sehnsucht der Menschen, fliegen zu können: Göttern und Dämonen schrieb man die Fähigkeit zu, sich in die Luft erheben zu können. Ja man sah im Luftmeer ihren ureigenen Raum. Schon in der Sage vom Ikarus ist davon die Rede, dass sich ein Erdgebundener durch Nachahmung des Vogelflugs und mittels eines Werkzeugs aus seiner Hände Arbeit über die Erde erhob.
Zunächst wusste man nur, dass warme Luft leichter ist als kalte und deshalb in die Höhe steigt. Der Weg „leichter als die Luft“ führte zur Eroberung der Luftmeere durch Menschen. Das Vorbild war der Vogel: er kann sich in die Luft erheben, indem er sein Gewicht durch die Kraft seiner Schwingen aufwärts und vorwärts trägt.
Die Geschichte des ersten Flugs als Schüler in den Anfängen des Fliegens lässt sich mit einer Mischung aus Aufregung, Abenteuer und einer Spur Nervosität beschreiben. Stell dir vor, es ist das Jahr 1925. Die Luftfahrt steckt noch in den Kinderschuhen, und du hast das Privileg, Teil einer kleinen Gruppe von Flugbegeisterten zu sein, die den Himmel erobern wollen.
Der Tag beginnt früh, die Luft ist klar, und die Sonne steht gerade über dem Horizont. Du bist am Flugplatz, ein schlichter Streifen Gras, der von ein paar Hangars und kleinen Werkstätten gesäumt ist. Vor dir steht eine kleine Doppeldecker-Maschine aus Holz und Stoff, mit einem knatternden Propeller, der bereits ungeduldig brummt.
Dein Fluglehrer – ein Veteran aus dem Ersten Weltkrieg, mit einer Brille und Lederjacke, die schon viele Stunden in der Luft erlebt hat – zeigt dir die Grundlagen: den Steuerknüppel, das Seitenruder, die Instrumente, die damals noch recht einfach und rudimentär sind.
Dann ist es soweit. Du setzt dich in den engen Cockpitsitz, schnallst dich an, und deine Hände zittern leicht, als sie den Steuerknüppel umschließen. Dein Herz schlägt schneller, als der Motor lauter wird und die Vibrationen durch den gesamten Rumpf gehen. Der Wind bläst dir ins Gesicht, als du den Gashebel vorsichtig nach vorne schiebst.
Der Moment, als sich das Flugzeug langsam über die Startbahn bewegt und du merkst, wie es an Geschwindigkeit gewinnt, ist unvergesslich. Deine Gedanken rasen: Wird es klappen? Werde ich den Vogel in die Luft bekommen? Doch dann fühlst du es – das leichte Abheben, wenn die Räder den Boden verlassen, und plötzlich bist du in der Luft.
Der Himmel öffnet sich vor dir, weit und frei. Du spürst das Rucken des Steuerknüppels, die Reaktion des Flugzeugs auf deine Bewegungen, wie eine Verlängerung deines eigenen Körpers. Für einen kurzen Moment verschwindet die Angst, und alles, was bleibt, ist ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Der Wind rauscht in deinen Ohren, die Erde schrumpft unter dir, und du erkennst, dass du etwas erlebst, das nur wenige Menschen vor dir gefühlt haben: den Traum vom Fliegen.
Es ist ein überwältigendes Gefühl, fast wie Magie – du, ein junger Schüler, der das Unmögliche möglich macht. Du bist Teil einer neuen Ära, einer neuen Welt.
Wer sich das Fliegen zum Beruf erkoren hat, braucht hierfür eine Reihe von Fähigkeiten: eine schnelle und genaue Beobachtungsgabe und jener sechste Sinn, der ein blitzschnelles Erfassen von Situationen und richtiges Handeln in Gefahrenmomenten bewirkt. Dies gilt damals wie heute.
Manchmal wird der Flieger später nicht angeben können, warum er dies oder jenes getan hat. Entscheidend war, dass er instinktiv das Richtige getan hat. Dazu gehören ruhige Nerven, feste Hände und exaktes Schätzvermögen. Zum Beispiel um eine Maschine wieder sicher auf der Erde gelandet zu haben.
Eine besondere Bedeutung wird im Leben eines jeden Fliegers der Tag erhalten, an dem er das erste Mal als Schüler den Steuerknüppel in die Hand nahm und mitfühlen durfte, wie der Lehr eine Platzrunde mit ihm geflogen hat. In seinem Flugbuch, in das er von nun an jeden Flug genau einzutragen hatte, wird er diesen Tag immer an erster Stelle finden. Und sooft er später dieses Erinnerungsstück hervorgeholt hat, um mit einer gewissen Wehmut an die Zeit seiner ersten Flüge zurückzudenken, konnte er auch den Namen seines Fluglehrers finden, dem er stets seine Dankbarkeit bewahrte. Unser Bundeskanzler konnte dies beim Erwerb des Pilotenscheins für sein Privatflugzeug bestimmt ähnlich nachempfinden.