Schon beim Start hatte er mit einer Wetterverschlechterung und nicht idealen Flugbedingungen gerechnet. Aber es entsprach nicht seiner Mentalität als Flieger, verschreckt am Boden zu bleiben, kaum dass sich am Himmel ein paar Wolkenfetzen zeigten. Wenn er als Flieger zimperlich war, musste er sich nach einer anderen Beschäftigung umsehen (die es bei seiner Leidenschaft für die Fliegerei nicht gab). Er hatte es sich selbst ausgesucht, war immer aufgestiegen, selbst dann, wenn andere Gründe fanden, am Boden zu bleiben. Das Fliegen etwas mit Freiheit und Befreiung zu tun hat, war schon den Menschen früherer Epochen klar.
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Doch haben Freiheit und Befreiung ebenso etwas mit dem Malen zu tun. Die Blumen auf vielen Bildern von Ernst Becker wurden gewissermaßen real, ebenso wie die Konfrontation mit seiner Kunst auf einmal einen physischen Charakter annahm. Er integrierte Alltagsgegenstände und Fotografien in seine Bilder, die Realität setzte sich im Akt des Malens fort: Bilder in Zeit und Raum, eine Haltung von Freiheit und Befreiung. Die Fotografie diente als Impulsgeber für Gemaltes. Der Verzicht auf eigenwillige Blickwinkel oder andere Verfremdungen, die Konzentration auf die Wiedergabe der Dinge entsprechen dem fotografischen Verständnis dieses Fliegers. Die Wahrheit sucht er in der Ruhe, in der Wiederholung, in den dauerhaften Phänomenen. So dachte der Flieger seine Pinselarbeit als potentiell endlos nach allen Seiten weiterführbare Tätigkeit. Aus der Gegenwart betrachtet sind hundert Jahre für die Menschen insgesamt, vielmehr aber noch für einen einzelnen Menschen, eine riesige Distanz. Liegt eine solche Distanz am Beginn eines Lebens noch vor einem, scheint sie unendlich zu sein. Liegt sie am Ende eines Lebens hinter einem, scheint sie gleich einem Zeitraffer geschrumpft zu sein. Für den ehemaligen Flieger begann sie mit einem Weltkrieg und führte über ein Fliegerleben, einen zweiten Weltkrieg, Gefangenschaft (einschließlich geschriebener Gefühlswelten) und viele weitere Zwischenstationen (einschließlich Fotografie und Malerei) bis hin in eine Welt der Cyberwirtschaft und Algorithmen. Uralt ist die Sehnsucht der Menschen, fliegen zu können: Göttern und Dämonen schrieb man die Fähigkeit zu, sich in die Luft erheben zu können. Ja man sah im Luftmeer ihren ureigenen Raum.