Auch im Informationszeitalter bleibt es eine Kunst, die Zeichen der Zeit zu lesen

Big Data macht zwar fast alles irgendwie rechenbar, aber deswegen den Lauf der Dinge noch längst nicht (und schon gar nicht genau) vorhersagbar. Es könnte durchaus geschehen, dass das Wissen der Menschheit von der Logik der Klicks eingeholt und in Form klickgetriebener Inhalte überrollt werden könnte.

 

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Nutzerdaten finden unkontrolliert einen Zugang zum realen Leben, können Einfluss auf reale Verträge, Verhaltensweisen, Lebensgewohnheiten, Kreditwürdigkeit, Bewegungs- und Kommunikationsmuster  u.a. nehmen. An vielen und von vielen Stellen wird kundgetan, in welchem Ausmaß die sogenannte Industrie 4.0 die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, die Arbeitsbedingungen und Lebensumstände aufwirbeln, umgraben und umschichten. So soll es über hundert Milliarden vernetzte Geräte geben: von Waschmaschinen, Licht- und Heizungssystemen bis hin zu Autos und Bahnen und was sonst noch allem. In der Digitalgesellschaft heißt es bezüglich der Verfügbarkeit von Daten und Wissen oft: ewig, alles, überall! (Idee eines barrierefreien Weltkommunikationsraumes im unendlichen Speicheruniversum).

 

Kreative Kultursiedler sind Auslöser für Entwicklungsprozesse; sie wirken als Multiplikatoren und arbeiten vergleichbar mit einem Pflanzbewuchs auf nährstoffarmen Böden: in diesem Bild sind sie der Humus, den „nährstoffarme Standorte“ brauchen. Auf dem dadurch „veredelten“ Standort werden auch andere Pflanzen, sprich Wirtschaftszweige, überlebensfähiger. Kulturschaffende sind oft robuster als andere Wirtschaftsgruppen und nehmen auch Räumlichkeiten mit geringer baulicher, energetischer oder ausstattungstechnischer Qualität in Kauf, wenn dafür andere Vorteile (günstige Mieten, stützungsfreie Ausstellungsräume, Laderampen) erreichbar sind. Wer aber könnten nun diese Kultursiedler und Raumpioniere sein? Prädestiniert hierfür sind Akteure der kleinen Kulturwirtschaft. Dabei geht es um einen Sammelbegriff für unterschiedlichste Richtungen eines in vielen Facetten schillernden Wirtschaftszweiges. Es sind vorwiegend Künstler, Freiberufler und Kleinstunternehmen aus den Bereichen Werbung und Design, Architektur und Innenarchitektur,  Raumgestaltung, Shop- und Ausstellungsdesign, Kunsthandwerk (Restauratoren, Instrumen-tenbauer, Buchbinder, Goldschmiede u.a.), Kunst (Galerien, Maler, Bildhauer, Video- und Objektkünstler), Musik (Komponisten, Interpreten, Tonstudios, kleine Musiklabels, Musikvertrieb, Veranstaltungsplanung), Kultur- und Eventmanagement (Sponsoring, Projektkonzeption), Kulturtourismus, Kulturpädagogen.

  

Ein modernes Paradox: Informationswachstum kann Wissensarmut erzeugen. Nicht jede Information wird zu Wissen. Dafür braucht es Selektion und Interpretation

 

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Jörg Becker Friedrichsdorf

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