Der Flugpionier in Kriegsgefangenschaft hat niemals einen Kredit gewollt, von niemandem. In Zeiten des Krieges, der Gefangenschaft und des Aufbaus hat er selbst dem Land viel an Kredit gegeben, es steht in seiner Schuld. Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft war der Fotoapparat sein treuer Begleiter. Trotz der durchlebten schweren, düsteren Zeiten sind seine Bilder, fotografiert oder gemalt, ohne Bitternis. Die Freude am Fotografieren war für ihn, den einst Gefangenen, die Mutter der Freude am Malen, die Linse der Kamera eröffnete ihm neue Möglichkeiten, die Welt mit anderen Augen zu sehen. In der Nachkriegszeit ein Geschenk an jene, die sich öffneten, indem sie sich den Blick für die kleinen und im ersten Moment unscheinbaren Dinge bewahrten. So entdeckte der Flieger seine Freude am Fotografieren.
Vom Informationssucher zum Urteilsträger
Viele Analysen, die man früher mühsam in Wochen oder Monaten erarbeiten musste, liefert ein KI-System inzwischen in Sekunden. Nicht immer besser. Mitunter halluzinierend. Aber schnell, skalierbar und rund um die Uhr verfügbar. Was bedeutet diese Entwicklung für Wissensarbeiter?
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Intellektuelles Kapital ist Trumpf.
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KI hat für Wissensarbeiter eine ähnliche Bedeutung wie die Einführung der Dampfmaschine für körperliche Arbeit oder des Computers für Routineaufgaben im Büro. Sie verändert nicht nur die Geschwindigkeit der Arbeit, sondern die Art der Arbeit selbst. Früher bestand ein großer Teil wissensintensiver Arbeit darin, Informationen zu sammeln, Quellen auszuwerten, Berichte zu erstellen, Zusammenfassungen zu schreiben, Analysen zu strukturieren. KI kann viele dieser Tätigkeiten heute in Sekunden erledigen. Dadurch verschiebt sich der Wertbeitrag des Menschen:
Weniger wichtig wird reine Informationsbeschaffung, Standardanalysen, Erstellung von Routinedokumenten. Wichtiger wird die richtige Fragestellung, kritische Bewertung der Ergebnisse, Kontextverständnis, ethische und strategische Entscheidungen, Verantwortung für Folgen von Entscheidungen. Der Wissensarbeiter wird zunehmend zum „Kurator“, „Interpret“ und „Entscheider“. Die Knappheit verschiebt sich: in der Ökonomie entsteht Wert dort, wo Knappheit herrscht. Früher war Wissen knapp. Heute wird durch KI die reine Wissensproduktion billiger und nahezu unbegrenzt verfügbar. Knapp bleiben dagegen Urteilsvermögen, Erfahrung, Vertrauen, Kreativität, Verantwortungsübernahme, zwischenmenschliche Kommunikation.
Ein Flugpionier fotografierte nach seiner Kriegsgefangenschaft die Welt und ihre Nebensächlichkeiten mit den Augen eines Malers und malte sie mit den Augen eines Fotografen. Zu einer Zeit, als Fotografieren noch nicht zum alltäglichen Hausgebrauch für jedermann zählte. Als es noch gut und gerne ein oder zwei Stunden dauern konnte, bis man sich entschloss, den Auslöser zu drücken. Als man alle jene Dinge, die heute ein Computer-Chip erledigt, noch selber tun musste. Als man sich noch überlegte, ob ein Foto samt seiner Entwicklung noch im Taschen- oder Haushaltsgeld drin sein könnte. Nach vielen heutigen Vorstellungen vielleicht mit Naivität, aber immer mit der Naivität eines sich Freuenden. Eben Bilder eines Kreativen ohne Anspruchsdenken.
Die Gefahr der Scheingenauigkeit
Ein KI-System kann heute zehn Strategiepapiere erzeugen. Die Entscheidung, welches Papier die Zukunft eines Unternehmens bestimmen soll, bleibt zunächst menschlich.
KI liefert Antworten oft mit großer sprachlicher Sicherheit.
Dadurch entsteht ein neues Risiko: Nicht Informationsmangel, sondern Informationsüberschuss mit unsicherer Qualität. Wissensarbeiter müssen daher stärker als bisher prüfen: Woher stammen die Informationen? Welche Annahmen liegen zugrunde? Welche blinden Flecken existieren? Welche Interessen sind möglicherweise nicht sichtbar? Die Kompetenz des Zweifelns gewinnt an Bedeutung.