Eigenverleger als Blogger

Ohne geeignete Indikatoren würde ein Eigenverleger ohne Kompass oder Feedback-Anzeigen in ein Marktumfeld voller Dynamik und Risiken ziehen. Bloggen als Online-Dauerpräsenz ist quasi so etwas wie eine Realitiy-Show, deren Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller ein Eigenverleger in einer Person vereinen muss. Für einen Eigenverleger kann Bloggen schon deshalb attraktiv sein, weil er eine Plattform erhält, auf der er nach eigenem Gutdünken schreiben kann. Für die Sichtbarkeit entscheidend ist, Überschriften so zu generieren, dass der Eigenverleger über Google und andere Suchmaschinen gefunden werden kann. Auf dem eigenen Blog kann ein Eigenverleger seine eigene Meinung unverfälscht und damit authentischer erscheinend publizieren. Während beispielsweise Zeitungen immer tagesaktuell sein müssen, kann der Eigenverleger als Blogger auch ältere Texte immer wieder aufgreifen und neu verlinken, was einen angestrebten Informationstransfer nachhaltiger und effizienter macht. 

Denkstudio für strategisches Wissensmanagement zur Analyse mittelstandsorientierter Businessoptionen auf der Basis von Personalbilanzen und Standortbilanzen,

Jörg Becker Friedrichsdorf

Manchmal braucht man eine Geschichte, um Zusammenhänge plastisch zu beschreiben. Erzählte Sachverhalte sind leichter verstehbar.

Eigenverleger, die mehrere (vielleicht sogar viele) Bücher erstellen (wollen), dürfen Entwicklungen nicht aus den Augen verlieren, was sich beim Kauf von Inhalten tut. Alternativen zum Inhalteverschenken rücken stärker in den Vordergrund: der Druck von im Printgeschäft wegbrechenden Umsätzen ist einfach zu groß. Zwar werden ständig neue Ideen auf den Markt gespült, um wegbrechende Printerlöse aufzufangen. Den Stein des Weisen aber scheint noch niemand gefunden zu haben. 

Jeder neue junge Text hat Eltern als Urheber in der Vergangenheit. Künstlichen Intelligenz (KI) bewirkt weltweit einen Umbau der Gesellschaften. Und vielleicht sogar ähnlich radikal wie vor Jahrtausenden durch die Erfindung der Schrift. Frage: Braucht man überhaupt noch Menschen, um Literatur, Bilder oder Musik zu schaffen? Was kann ein Künstler, was die Maschine nicht kann oder zumindest einmal können wird? 

Eigenverlegern reicht es nicht mehr, eine reine Plattform oder ein Vehikel für fremde Inhalte zu sein. Sie wollen eigene und exklusive Inhalte liefern, die Substanz haben. Es geht darum, Leser und Nutzer an sich zu binden, indem ihnen etwas geboten wird, das es sonst nirgendwo gibt. Inhalte als Monopol: Für Eigenverleger könnte sich hier eine Marktlücke auftun. Sie müssen eine Konkurrenz durch Netzwerke eher weniger befürchten.