In der Welt der Big Data-Zahlenzauberer werden neben Arbeitsplätzen und Logistik auch Haushalt und Konsum gesteuert: die mathematischen Modelle müssen nur noch den Mensch mit seinem irrationalen, unvorhersehbaren Verhalten als Störfaktor ausschalten. „Das neue Gesellschaftsmodell verführt Menschen mit Annehmlichkeiten und Anreizen in berechenbare Verhaltensmuster“: in der Big Data-Gesellschaft wird das Subjekt (als Träger freier Entscheidungen) zum Objekt (mit errechneten Verhaltensweisen) umgeformt. In den Wohlfühlprogrammen individueller Ansprache bleibt verborgen, wer wie über Schicksale bestimmt. Das errechnete Individuum ist ein Ergebnis der Verknüpfung von Variablen und Gleichungen, „von windschief aus Datenschnipseln abgeleiteten Informationen“. Handlungsanweisungen könnten somit weniger aus selbständigem Denken, sondern eher aus Zahlenversprechen mathematischer Modelle entstehen, die kaum einmal jemand gesehen (und verstand), geschweige denn nach gesellschaftlich relevanten Kriterien geprüft hätte.
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